Dienstag, 30. November 2010

Dorf-, Regional-, Stadt- und Großstadtentwicklung im weltweiten Ländervergleich

Es gibt verschiedene Meßverfahren, um zu beurteilen, auf welchem Entwicklungsweg sich die Länder der Erde befinden. Staaten kommen und gehen, Gebiete werden politisch neu geordnet und immerzu besteht die Notwendigkeit zum Ländervergleich. Dabei müssen Daten der Dorf-, Regional-, Stadt- und Großstadtentwicklung erhoben und zu einer Datenmenge zusammengefaßt werden, die aussagt, in welchem Zustand sich ein Land befindet.

In den United Nations haben derzeit 192 Staaten einen Zusammenschluß gefunden. Der Sinn dieses Zusammenschlusses ist, auf der gesamten Erdoberfläche einen gut abgestimmten Entwicklungsprozeß der Menschheitsentwicklung zu organisieren. Die Erfahrung der beiden Weltkriege im 20.Jahrhundert hatte viele Staaten zusammengebracht. Die anderen haben sich der Weltgemeinschaft angeschlossen. Nach bestimmten Kriterien wird nun in den Staaten versucht, Statistiken zu erarbeiten, die den Ländervergleich vereinfachen. Es ist möglich, die Wohnverhältnisse und Einwohnerentwicklung der Staaten zu verfolgen. Genauso kann das Verkehrswesen und die Industrieentwicklung in einen Vergleich gestellt werden. Feinanalysen erzeugen einen Eindruck von der jeweiligen Regionalentwicklung in den 192 Staaten der Erde, die in den United Nations zusammengeschlossen sind.

Es gibt verschiedene Begriffe, die geschaffen wurden, um Entwicklungsschritte zuordnen zu können. Jean-Christophe Victor hat sie in einem Fernsehbeitrag genannt (1), um zu zeigen, wie Ländervergleiche üblicherweise angestellt werden. Er nannte das Bruttoinlandsprodukt, das Bruttonationaleinkommen je Einwohner, den Human Development Index, den Gini-Index zur Messung der Ungleichheit, usw.

Dass es notwendig war, für die Ländervergleiche immer bessere Kriterien zu schaffen, zeigt die historische Entwicklung der verschiedenen Bemessungs- und Bewertungsverfahren.

Jean-Christoph Victor führte an:

"Die Weltwirtschaft hat viele Gesichter." (2)

Dann nennt er die Kriterien für einen Ländervergleich:

"Ein erstes Kriterium ist natürlich die Wirtschaftsleistung eines Landes: das Bruttoinlandsprodukt nach Kaufkraftparität." (3)

Durch Kaufkraft können Wohnhäuser gekauft, Dörfer und Städte reicher ausgestattet werden und das Verkehrswesen kommt zur Entwicklung. Genauso wächst die Qualität der Ausbildung, der Gesundheitsversorgung und der kulturellen Einrichtungen.

Die Bundeszentrale für politische Bildung versucht den Begriff Bruttoinlandsprodukt (BIP) so zu erklären: Es ist der

"Wert aller Güter und Dienstleistungen, die in einem Jahr innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft erwirtschaftet werden." (4)

Wie geht man dabei vor? Es heißt in dem Lexikon-Beitrag:

"Bei der Ermittlung des BIP wird zwischen Entstehungs-, Verteilungs- und Verwendungsrechnung unterschieden. Bei der Entstehungsrechnung wird das BIP in den Wirtschaftsbereichen seiner Entstehung (z. B. Land- und Forstwirtschaft, produzierendes Gewerbe, Handel, Gastgewerbe und Verkehr, öffentliche und private Dienstleister) gemessen." (5)

Er ergibt sich eine Wertschöpfung aus den Wirtschaftsbereichen. Die Summe aus dem privaten und staatlichen Konsum, sowie die getätigten Investitionen ergeben eine Verwendungsrechnung.

"Bei der Verteilungsrechnung wird das BIP aus der Summe der Lohn- und Gehaltseinkommen der Arbeitnehmer, der Unternehmensgewinne und der Vermögenserträge in der Volkswirtschaft berechnet." (6)

J.-C.Victor sagt dazu:

"Aber das Bruttoinlandsprodukt allein reicht nicht aus, um den wahren Wohlstand eines Landes zu berechnen." (7)

Das, was als Wohlstand angesehen wird, muss eine festgelegte Idee sein, die einen Vergleich zuläßt. Es liegt auf der Hand, dass in den verschiedenen Ländern ganz unterschiedliche Ideen vom "Wohlstand" vorhanden sein können. Jedoch hat sich die Weltbank, die wissen will, wie sich die Länder entwickeln, Kriterien geschaffen, nach denen sie Aussagen über die Höhe des Wohlstandes in einem Land trifft. Hierzu sagt J.-C.Victor:

"Deshalb gibt es einen neueren Indikator: das Bruttonationaleinkommen." (8)

Und er ergänzt:

"Wenn man das durch die Einwohnerzahl eines Landes teilt, erhält man das Bruttonationaleinkommen pro Einwohner." (9)

Das BNE, also das Bruttonationaleinkommen, ist die

"Summe der innerhalb eines Jahres von allen Bewohnern eines Staates (Inländer) erwirtschafteten Einkommen, unabhängig davon, ob diese im Inland oder im Ausland erzielt wurden; bis 1999 auch Bruttosozialprodukt (BSP) genannt." (10)

Aus dem Ländervergleich des Bruttonationaleinkommens gestaltet die Weltbank eine Liste. Aus dieser Liste der Höhen des BNE hat sie drei Gruppen gestaltet, zu denen die Ländern der Vereinfachung halber zugeordnet werden:

"Länder mit hohem Einkommen, d.h. pro Jahr über 12.195 US-Dollar pro Einwohner.
Länder mit mittlerem Einkommen, zwischen 990 und 12.200 US-Dollar, und Länder mit niedrigem Einkommen, bis 995 US-Dollar." (11)

Bei einem weltweiten Vergleich der Einkommen ergab sich ein Wert von 1,25 US-Dollar pro Person und pro Tag, der als Grenzwert dient. Menschen, die weniger verdienen, gelten als arm. Folglich dient der Wert als Armutsgrenze. Das wiederum läßt Aussagen zu:

"1981 lebten etwa 2 Millarden Menschen unterhalb der Armutsgrenze." (12)

Da es jedoch eine weltwirtschaftliche Weiterentwicklung gab, haben sich die Verhältnisse geändert:

"Inzwischen ist die Armut stark zurückgegangen. Denn 2005 waren es nur noch 1,5 Millarden." (13)

Da es sich bei der Armutsgrenze um einen statistischen Wert handelt, der in einem weltweiten Vergleich zustande kommt, läßt sich das nicht so einfach auf die regionalen und lokalen Bedingungen in den unterschiedlichen Ländern beziehen. Sie sagt nur etwas über den Entwicklungsgang der Weltwirtschaft aus.

"Der Zahlenwert für die Armutsgrenze variiert durch unterschiedliche Lebenserhaltungskosten von Ort zu Ort, liegt gewöhnlich innerhalb eines Landes in der Nähe eines festen Wertes, kann aber innerhalb eines Landes in verschiedenen Regionen variieren, beispielsweise zwischen urbanen und ländlichen Gegenden oder Gebieten mit warmem und kaltem Klima." (14)

Trotz der lokalen Besonderheiten muß es natürlich einen Meßwert im Ländervergleich geben, um die Entwicklungshöhe ersehen zu können, auf der sich ein Land befindet. Daß es weniger Armut auf der Erde gibt, führt J.-C.Victor auf das rasche Wirtschaftswachstum in Asien zurück. Sein Blick fällt auf China:

"So lebten z.B. in China 1981 84% der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. 2005 waren es 16%." (15)

Man wünscht sich bei solchen Angaben zu Staaten eine digitale Weltkarte, die so stark gezoomt werden kann, daß alle statistischen Werte den feinsten lokalen Flächen zugeordnet sind, sodaß alle Entwicklungsräume sofort ablesbar werden und gezieltere Maßnahmen in der Dorf-, Regional- und Stadtteilentwicklung vorgenommen werden können. Doch so weit ist die weltweite Auswertbarkeit von Daten noch nicht entwickelt worden, was natürlich die Armutsbeseitigung erschwert und die Weltwirtschaftsentwicklung behindert. Die bisher entwickelten Karten für den Ländervergleich waren im Entwicklungsgang der Weltwirtschaftsentwicklung zwar sinnvoll, sie verraten uns aber auch den Zustand der Unterentwicklung, in dem sich die Planungsinstrumente der United Nations befanden und sicherlich noch befinden werden, obwohl es in den Staaten natürlich Regionalentwicklungskarten geben wird, die bei Investitionsvorhaben heranzuziehen sind.

Es gilt weiterhin:

Die gemeinsamen Anstrengungen der Weltbevölkerung, ein Gleichmaß der Entwicklung zu erreichen, müssen noch größer werden. Die national organisierten Interessen können dem aber entgegenstehen.

Seit dem Jahre 1990 wird ein zusätzlicher Wohlstandsindikator für den Ländervergleich verwendet, der Human Development Index (HDI).

"Der HDI wurde im Wesentlichen von dem pakistanischen Ökonomen Mahbub ul Haq entwickelt, der eng mit dem indischen Ökonomen und Nobelpreisträger Amartya Sen
sowie dem britischen Wirtschaftswissenschaftler und Politiker Meghnad Desai zusammenarbeitete." (16)

Dieser Index scheint wirklich ein großer Schritt vorwärts in der Beurteilung der Länder gewesen zu sein, da er einen wesentlich interessanteren Ländervergleich zuläßt:

"Er beruht auf drei Größen:
- der Gesundheit, gemessen an der Lebenserwartung bei der Geburt,
- dem Bildungsgrad, gemessen an der Analphabetenquote
- und dem Lebensstandard, gemessen am Bruttoinlandsprodukt der Einwohner." (17)

Das macht neugierig, da neue Bemessungswerte kartierbar werden. Es gab natürlich auch viel Kritik an dem Human Development Index, nicht nur, weil er auf Schätzwerten beruht, sondern auch weil sich erneut ein verzerrtes Bild von der Weltwirtschaftsentwicklung ergibt.

"Der HDI verwendet Durchschnittswerte für ein Land und kann deswegen Ungleichheiten innerhalb des Landes nicht direkt abbilden." (18)

Da sich jedoch neue Kategorien des Vergleichs einstellten, ist dieser Index, der zu den anderen Vergleichsverfahren hin-zukam, trotzdem wichtig geworden. Beim HDI lassen sich

"Länder mit hoher menschlicher Entwicklung, d.h. einem HDI von mindestens 0,8, mit mittlerer Entwicklung zwischen 0,5 und 0,8, und mit niedriger Entwicklung, d.h. mit einer Entwicklung unter 0,5" (19)

voneinander trennen und so jeweils für sich betrachten, um neue Ideen für Entwicklungsmaßnahmen aufwerfen zu können. Es stellte sich, ausgelöst durch die Kritik am HDI, die Frage, was denn Entwicklung überhaupt ist und wohin sie führen soll. Sie soll, so benennt es J.-C.Victor, "zu mehr Wohlstand führen".

Aufgekommen ist der Begriff "Entwicklung", um die Funktionsweise der Weltwirtschaft zu verdeutlichen. Aber:

"das betraf weniger die Industrieländer als die Staaten der sogenannten Dritten Welt." (20)

Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten sich zwei Machtblöcke heraus: "der Westen" und der "Ostblock". Um der Polarisierung zu entgehen, welche die Weltmächte USA und Sowjetunion betrieben, versammelten sich Repräsentanten vieler Staaten zu einer Konferenz in Bandung.

"Die Teilnehmerstaaten der Konferenz von Bandung im Jahre 1955 bezeichneten sich selbst als Dritte Welt." (21)

Diesen Begriff "Dritte Welt" hatte der französische Demograph Alfred Sauvy aufgebracht, um im Jahre 1952 eine Entwicklungsperspektive für die Weltwirtschaft aufzuwerfen. Interessanterweise vergleicht er die Länder, die er als die "Tiers Monde" bezeichnet, mit dem "Dritten Stand" einer nationalen Gesellschaft, der danach strebt, in einer Gesellschaft in sozialer Gleichheit mit gleichverteiltem Reichtum zu leben.

Franz Fanon nutzte diese Idee von Alfred Sauvy im Jahre 1961 dazu, die Länder der Dritten Welt mit denen der "kolonialisierten, unterentwickelten Welt" gleichzusetzen, um auf "Die Verdammten dieser Erde" hinzuweisen, die vom Joch der Kolonialisierung zu befreien sind. (22)

J.-C.Victor faßte diese Phase der weltwirtschaftlichen Entwicklung und Zuordnung der Staaten so zusammen:

"In der Dritten Welt lebten 3/4 der Weltbevölkerung, die unter Hunger, Analphabetismus und Unterentwicklung litten." (23)

Damals gab man den Ländern, die sich entwickeln sollten, die Bezeichnung "Entwicklungsländer".

Der französische Geograph Yves Lacoste hatte dazu eine Weltkarte geschaffen, auf der deutlich wird, dass fast alle unterentwickelten Länder tropische Länder sind, meint J.-C.Victor, der diese Ergänzung formuliert:

"Übrigens galten in den 60er Jahren Spanien und Portugal genauso als unterentwickelt wie der Süden Italiens, der durch eine wirtschaftliche Grenze vom Norden getrennt war." (24)

Jedoch erlebte die Erdbevölkerung nicht nur eine Aufteilung nach Machtblöcken und die Hinzuordnung einer Dritten Welt, deren Länder schließlich als Entwicklungsländer bezeichnet wurden, sondern es kam auch zu einem veränderten Blick auf die Erdoberfläche durch den Ersatz der Merkator-Karte durch die Peters-Karte.

"Die traditionelle Weltkarte, die 1569 von Mercator in Deutschland entwickelt wurde, verzerrt die Größenverhältnisse zugunsten der europäischenKolonialmächte. Der Norden erscheint weitaus größer als der Süden. Tatsächlich aber ist er nur halb so groß." (25)

In der Peters-Karte werden die Länder der Erde flächentreu dargestellt. Der Blick auf die Erdoberfläche wird dadurch entzerrt. In einer solchen Karte wurden in den 1990er Jahren die Länder farblich angelegt dargestellt, die zu den Entwicklungsländern gezählt wurden. Diese Weltkarte wurde benutzt, um die Lage der Weltbevölkerung in einem Bericht der sogenannten Nord-Süd-Kommission unverzerrter zur Darstellung zu bringen. Der Bericht wurde unter Willi Brandt, der die Nord-Süd-Kommission leitete, im Jahre 1980 herausgegeben.

Wenn man diese Karte auswertet, auf der der unterschiedliche Entwicklungsstand der Länder der Erde abgebildet ist, so ergab sich in den 1990er Jahren folgendes Bild:

"Viele auf der Nordhalbkugel liegende Länder gehören in wirtschaftlicher Hinsicht zum Süden, während die eigentlich zum Süden gehörenden Länder Australien und Neuseeland in den Norden gerückt sind. Das realtiviert ein wenig die negative Konnotation des Südens in der Theorie der Dritten Welt." (26)

Inzwischen waren die beiden Blöcke USA und Sowjetunion als Gegensatz nicht mehr vorhanden, die Sowjetunion hatte sich aufgelöst und eine Neubildung von Staaten hatte stattgefunden, die in wirtschaftlicher Hinsicht zu den Entwicklungsländern zu zählen sind, um diesen eigentlich etwas überholten Begriff nochmals zu gebrauchen. Dieser Begriff wurde nun durch eine moderne Terminologie der Vereinten Nationen abgelöst. Eine neue weltwirtschaftliche Entwicklungsetappe wird dadurch markiert. Es kam zu dieser Einteilung:

"Industrieländer: im Wesentlichen die Mitgliedstaaten der OECD, eine internationale Instanz für wirtschaftliche Studien und Nachfolgeorganisationen des Marshallplans, der demokratische und marktwirtschaftlich organisierte Länder angehören." (27)

Die OECD, die "Organisation for Economic Co-Operation and Development" nimmt immerzu neue Mitglieder auf, die bestimmte Kriterien erfüllen. Es begannen Verhandlungen:

"In May 2007, OECD countries agreed to invite Chile, Estonia, Israel, Russia and Slovenia to open discussions for membership of the Organisation and offered enhanced engagement to Brazil, China, India, Indonesia and South Africa." (28)

Inzwischen wurden Slovenien und Chile als Mitglieder aufgenommen. Es muß sichergestellt sein, daß ein Land demokratisch und marktwirtschaftlich ausgerichtet ist, bevor es in die OECD aufgenommen wird.

Neben der Kategorie "Industrieländer" haben die Vereinten Nationen noch zwei andere Begriffe geschaffen, um die Staaten der Erde zuordnen zu können, nämlich "Transformationsländer" und wiederum den Begriff "Entwicklungsländer". Als "Transformationsländer" werden die Länder des ehemaligen Ostblocks und Jugoslawiens bezeichnet, erläutert J.-C.Victor. Die restlichen Länder sind also immer noch als "Entwicklungsländer" geführt. Interessant sind die Ausführungen zum Begriff "Entwicklungsländer":

"Da zu dieser Kategorie /.../ sehr unterschiedliche Länder gehören, unterscheidet die UNO zwischen Erdöl exportierenden Ländern und den am wenigsten entwickelten Ländern, den "Least Developed Countries". Zu diesen LDC gehörten 2010 50 Staaten, von Haiti bis Tuvalu, vor allem aber afrikanische Staaten südlich der Sahara." (29)

Der Begriff "Least Developed Countries" wird ins Deutsche übersetzt als die "am wenigsten entwickelten Länder". "Diese am wenigsten entwickelten Länder der Welt werden oft auch als "Vierte Welt" bezeichnet." (30)

Ein Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen berät in einem Rhythmus von drei Jahren, welche Länder als die am wenigsten entwickelten Länder aufzufassen sind. Dabei wird mit 3 Kriterien der Entwicklungsstand untersucht:

"Dem Bruttonationaleinkommen je Einwohner, das nicht mehr als 900 US-Dollar betragen darf; den menschlichen Ressourcen für Ernährung, Gesundheit und Bildung, und der wirtschaftlichen Situation des Landes, also seiner Verwundbarkeit." (31)

Das letzte Kriterium, also wie sich gerade die wirtschaftliche Situation darstellt, ist deshalb wichtig, weil durch die gering ausgebaute Diversifizierung der Wirtschaft bei Krisensituationen in weltwirtschaftlichen Zusammenhängen, steigenden Preisen auf Rohstoffmärkten, usw. rasche Verarmung eintreten kann. Kriege und Naturkatastrophen können einfachste Entwicklungsschritte zunichte machen. Ein besonderes Augenmerk falle dabei auf kleine Inselstaaten, da sie

"sowohl Wirtschaftskrisen als auch dem Klimawandel ausgesetzt sind." (32)

Trotz all der weltwirtschaftlichen Probleme, die bestehen, habe sich die Lage für die gesamte Weltbevölkerung verbessert:

"Insgesamt ist die Welt /.../ reicher geworden. Und die Armut ist zurückgegangen." (33)

Jedoch habe bei wachsendem Wohlstand insgesamt die Ungleichheit zugenommen. Damit dieser Mißstand in der weltwirtschaftlichen Entwicklung erkannt werden kann, nutzt man in den Vereinten Nationen den von Corado Gini entwickelten "Gini-Index". Dieses Bemessungsverfahren wurde zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg vom dem Italiener Gini geschaffen, um dahinter zu kommen, welche Ungleichheit innerhalb der Bevölkerung eines Landes besteht.

"Gini-Koeffizienten können beliebige Werte zwischen 0 (das Vermögen eines Staates ist auf alle Bewohner gleichmäßig verteilt) und 1 (das gesamte Vermögen eines Staates gehört einem einzigen Bewohner) annehmen. Je näher der Gini-Koeffizient an 1 ist, desto größer ist die Ungleichheit /.../." (34)

Natürlich hat ein solches Bemessungsverfahren, um den Wert auf dem Gini-Index zu erhalten, seine Schwächen:

"Solche Maße reduzieren prinzipiell einen mehr oder minder komplexeren Datensatz auf eine einfache Kennzahl, die zu Missinterpretationen führen kann, wenn sie nicht sachgemäß verwendet wird." (35)

Aber die Stärke des Gini-Index ist nicht zu übersehen:

"Dadurch wird ein Widerspruch in den Länderrankings deutlich. In den Ländern, in denen in den vergangenen 10 Jahren die Wirtschaft am meisten wuchs, in China, Indien und Brasilien, konnten Hunderte Millionen von Menschen der Armut entrinnen. Aber dort nahm auch am meisten die Ungleichheit zu." (36)

Man kann also im Ländervergleich zu sehr interessanten Ergebnissen kommen, den Entwicklungsstand im Länderranking nach unterschiedlichen Kriterien entwickeln und zugleich darauf aufbauend seine Analyse verfeinern, um die Dorf-, Regional-, Stadt- und Großstadtentwicklung besser zu verstehen. Es ergibt sich damit eine Basis der Entwicklungszusammenarbeit, die allen nur nützen kann.

Da durch das rasch fortschreitende Verkehrswesen und die Autoproduktion, sowie durch die immer rascher voranschreitende industrielle Produktion und den Raubbau an Naturressourcen der komplizierte Lebenszusammenhang auf dem Planeten gefährdet ist, eine Ökokatastrophe stattfindet, die auch zu einem raschen Klimawandel führt, sind neue Kriterien notwendig, mit denen eine sinnvolle Weltwirtschaftsentwicklung zu messen ist. Auch dies führt wieder zu einem Ranking der Staaten dieser Erde. Als die größten Umweltverschmutzer stehen derzeit die USA und China auf einer Liste. Auf den Weltklimakonferenzen wird ihr Verhalten regelmäßig gerügt.

Die Entwicklung von Kriterien, um den Entwicklungsstand der Länder dieser Erde zu bemessen, geht also sinnvoll weiter und bringt die Erdbevölkerung auf ihrem Weg zu gleichen Lebensstandards täglich ein Stückweit mehr zusammen.

Die grossen sozialen Bewegungen, die für ein Weltparlament eintreten und die Versammlungen der Regierungschefs zur Wirtschaftsentwicklung und zu Fragen des Umweltschutzes kritisieren, gehen mit dem Entwicklungsgang der kulturellen Entwicklung der Menschheit einher. Es lohnt sich, sich in die Themen der Entwicklungszusammenarbeit einzuarbeiten, um die Vorgänge besser zu verstehen.

Karl-Ludwig Diehl


Anmerkungen:
(1) siehe in dem Film in Arte.tv: Jean-Christophe Victor: Mit offenen Karten. Arte.tv, 2010. Erstausstrahlung 19:16 Uhr. Samstag, den 21.11.2010
(2)-(3) J.-C.Victor zitiert aus: Mit offenen Karten, wie vor.
(4)-(6) zitiert aus: Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung: Bruttoinlandsprodukt. In:
http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=GVIPA3
(7)-(9) J.-C.Victor zitiert aus: Mit offenen Karten, wie vor.
(10) zitiert aus: Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung: Bruttonationaleinkommen (BNE). In:
http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=3FHX4N
(11)-(13) J.-C.Victor zitiert aus: Mit offenen Karten, wie vor.
(14) zitiert aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Armutsgrenze
(15) J.-C.Victor zitiert aus: Mit offenen Karten, wie vor.
(16) zitiert aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Human_Development_Index
(17) J.-C.Victor zitiert aus: Mit offenen Karten, wie vor.
(18) zitiert aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Human_Development_Index
(19)-(20) J.-C.Victor zitiert aus: Mit offenen Karten, wie vor.
(21)-(22) siehe das Zitat und den Hinweis im Gesamtzusammenhang in:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dritte_Welt
(23)-(24) J.-C.Victor zitiert aus: Mit offenen Karten, wie vor. Zur Biographie von Yves Lacoste siehe z.B. in:
http://fr.wikipedia.org/wiki/Yves_Lacoste
(25) zitiert aus:
http://www.emw-d.de/fix/files/peters-proj.pdf
(26)-(27) J.-C.Victor zitiert aus: Mit offenen Karten, wie vor.
(28) zitiert aus einer Selbstdarstellung der OECD:
http://www.oecd.org/pages/0,3417,en_36734052_36734103_1_1_1_1_1,00.html
(29) J.-C.Victor zitiert aus: Mit offenen Karten, wie vor.
(30) zitiert aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Least_Developed_Countries
(31)-(33) Siehe Zitate von J.-C.Victor im Zusammenhang in dem Film: Mit offenen Karten, wie vor.
(34)-(36) zitiert aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gini-Koeffizient

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